Der wahre Fethullah Gülen

von Stephen Schwartz

 

 

 

 

Fethullah Gülen und sein Glauben repräsentieren nichts neues im islamischen Denken. Gülenismus ist im Wesentlichen ein Kult. Fethullah Gülen, der türkisch moslemische Ideologe, der behauptet, Inspiration in der Islamischen Mystik (Sufismus) zu finden, hat einen beschäftigten Sommer gehabt. Fethullah Gülen wurde durch seine vielen Bewunderer bei einer Umfrage des Prospect/Foreign Policy manipulativ zum wichtigsten und einflussreichsten Intellektuellen gewählt. Er wurde am 24. Juni von der türkischen richterlichen Gewalt von  den Vorwürfen des Fundamentalismus und Terrorismus freigesprochen. Dann berichteten einige türkische Medien, dass Gülen eine "Green Card" in den Vereinigten Staaten verweigert wurde und ihm eine Abschiebung bevor steht.

 

Seit einigen Monaten zirkulieren Gerüchte, dass Gülen, welcher seit mehreren Jahren in Pennsylvania lebt, bereits in die Türkei zurückgegangen ist, um den drohenden Verbot der AKP (Gerechtigkeits- und Entwicklungs- Partei) zu verfolgen, mit der er lose verbunden ist. Aber die Berichte über Gülens Einwanderungsfall waren falsch. Keine Entscheidung ist in den Vereinigten Staaten getroffen worden und kein Beschluss über seinen Status wird kurzfristig erwartet. Die Lehre dieses letzten Artikels für Gegner von Gülen ist, dass, wohin auch immer er geht, Mediamanipulation und Desinformation folgen.

 

Fethullah Gülens Anhänger versuchen den Glauben zu verbreiten, dass Gülen und sein angeblicher Sufismus einige tiefe Durchbrüche im islamischen Gedanken vertreten, obwohl sie es tatsächlich nicht tut und versuchen durch solche Aussagen den Westen zum Narren zu halten. Und doch, die Anstrengung ist häufig erfolgreich. Gülen wurde von Tom Nuttall in seiner Analyse auf http://www.prospect-agazine.co.uk/article_details.php?id=10262 berücksichtigt. Die Wahlergebnisse sehen ihn als "eine neue Art des Intellektuellen - dessen Einfluss durch ein persönliches Netzwerk aufgebaut wurde, mit Hilfe durch das Internet, aber nicht durch Veröffentlichungen oder durch Institutionen ausgedrückt wird." Aber dasselbe, könnte vor der Ankunft des Internets, der "neuen Art der Religion", genannt Scientology, erfunden von L Ron Hubbard, gesagt worden sein.

 

Die Gülen Bewegung ist auch dafür gelobt worden, eine täglich erscheinende Zeitung namens Zaman  mit großem Erfolg und zahlreichen internationalen Ausgaben gegründet zu haben. Aber die nichttürkischen Verkörperungen von Zaman haben Veröffentlichungen ausgegeben in Turkmenistan und Usbekistan, unwissende ex-sowjetische Zwangsherrschaften, von denen der Inhalt im Geist mit denjenigen identisch ist welche Blätter ohne Nachrichten waren.  Herausgegeben von den lokalen verrückten Herrschern in Turkmenistan und den blutdürstigen Neo-Stalinisten in Usbekistan.

 

Gülen-Anhänger präsentieren ihn gern als ein Pionier im interreligiösen Dialog, sogar als eine Art islamischer Papst oder Dalai-Lama. Aber moslemische interreligiöse Begegnungen mit Juden und Christen sind ziemlich alte Nachrichten.

 

Es ist auch nichts Neues in Gülens Versuchen, Konflikte zwischen dem Glauben und den Gründen aufzulösen. Diese Probleme sind im Islam schon vor langer Zeit mit viel größerer Eloquenz besprochen worden und sind für die Islamische Theologie grundlegend. Ebenfalls ist es nichts Neues in Gülens Begeisterung für die Technologie. Radikale Islamisten wie der Ägypter Sayyid Qutb forderte die Moslems auf, wissenschaftliche Fortschritte aus dem Westen zu umarmen, und Websites von Al Qaeda sind viel mehr ausgeklügelter und wahrscheinlich erfolgreicher als ihre antiradikalen und offiziellen Gegenstücke.

 

Weiter ist nichts Neues in der Benennung des Glaubens von Gülens Islamlight zu erkennen. Wenn dieser ziemlich beleidigende Begriff irgendwelche Bedeutung hat, würde es sich vermutlich auf den moderaten Islam beziehen, der als ein Strom innerhalb der Religion existiert und im Koran (2:143) Moslems als eine "Gemeinschaft der Mäßigung " definiert wird. Der gemäßigte Islam wurde im 4. islamischen Jahrhundert vom Gelehrten Imam al-Tahawi wie folgt dargelegt: "Der Islam liegt zwischen Übermaß und Zurückbleiben, zwischen Vergleichen des Gottes mit anderen Aspekten der Schöpfung und Bestreiten der Attribute des Gottes, zwischen Schicksalsglauben und Widerstand des Willens des Gottes, zwischen Gewissheit und Verzweiflung." Moslems mussten nicht auf das Kommen von Säkularisten oder Islamisten wie Fethullah Gülen warten, um solch eine Doktrin des Glaubens zu finden.

 

Es gab etwas Neues und Störendes und vielleicht unabsichtlich Ineressantes, in Gülens Verteidigung angeboten durch Ehsan Masood <http://www.prospect-magazine.co.uk/article_details.php?id=10263> (Aussicht, Juli 2008). Der Autor kennzeichnete die Anhänger von Gülen als "Bekehrte". Der Gebrauch dieses Wortes ist bizarr. Vermutlich sind Gülenisten bereits Moslems. Sie sollten sich nicht wieder zum Islam bekehren. (Nach Ansicht der Wahabiten in Saudi-Arabien müsste dies jedoch geschehen.) Aber eventuell hat Gülen nicht nur einen Kult geschaffen, sondern viele Beobachter, einschließlich meiner selbst, glauben vielleicht sogar an eine neue moslemische Sekte. Die Manipulation der Wahl von Prospect/Foreign Policy  durch die Gülen Bewegung  spricht für sich selbst. Moslemische Intellektuelle werden diese Angelegenheit mit Geringschätzung betrachten.

 

Stephen Schwartz is author of "The Two Faces of Islam: Saudi Fundamentalism and Its Role in Terrorism," and executive director of the Centre for Islamic Pluralism, www.islamicpluralism.eu