Die Sicht aus Bali

Von SALIM MANSUR

Toronto Sun, April 12, 2008


Kürzlich verbrachte ich mehrere Tage in Ubud/ Bali, nahm an einer Konferenz über das Thema  "Der Islam im multikulturellen Asien" teil, die vom Asia Society organisiert wurde.

Bali ist eine üppige tropische Insel von riesiger Schönheit im Zentrum des indonesischen Archipelago. Indonesien ist ein Staat, der die zahlenmäßig größte moslemische Bevölkerung in der Welt hat, aber auch eine nicht zu unterschätzende hinduistisch geprägte Bevölkerungsgruppe verfügt.

 

Der Ort für eine Konferenz über den Islam in Indonesien war eine kühne Idee. Der Islam in Asien - besonders in Ländern wie im Osten Pakistans oder Indien - ist mit seiner demonstrierenden Haltung, die sich dagegen währt, sich anzupassen oder in andere Kulturen assimiliert zu werden, ganz verschieden. Im Gegensatz zur mittelöstlichen Version des Islams, welches der Westen hauptsächlich seit dem 9/11 kennt.

 

Ob und wann dort ein reformierter Islam mit friedlichen Moslems im innern und mit der modernen Welt der Demokratie, Wissenschaft, Gleichberechtigung der Geschlechter und mit den Menschenrechten im Einklang sich entwickelt, weiß man nicht, aber es wird wahrscheinlich an einem asiatischen Standort sein, mit einiger Entfernung zum Nahen Osten.

 

Die Konferenz brachte für diese offenherzige und aufrichtige Diskussion, die den Islam und  die Demokratie als Thema hatte, eine Gruppe von eingeladenen Diplomaten, Staatsangestellten, Journalisten und Akademikern aus verschiedenen asiatischen Ländern und den Vereinigten Staaten zusammen. Aber die Absicht der Veranstalter, das Thema Islam und Moslems anzupacken, ging nicht weiter als höfliche Beobachtungen darzustellen. Stattdessen wurden diese Themen zugunsten der Kritik an Bushs Regierung und seiner verfehlten Politik aufgeopfert.

 

Ich verließ die Konferenz mit dem klaren Eindruck, dass jede Diskussion über den Islam,  insbesondere von Amerikanern, die die Demokraten unterstützen, vermieden werden sollte.

Ihrer Meinung nach liegen die Konflikte und Missverständnisse der USA mit der arabisch-moslemischen Welt größtenteils in der Politik der Bush-Cheney Administration und ihres "Missgeschicks" im Irak.

 

Liberal-Linke Amerikaner sind der Auffassung, dass die Welt repariert werden könnte, was das auch immer bedeutet, sobald die Bush-Regierung durch einen Demokraten ersetzt wird, entweder durch Barack Hussein Obama oder Hillary Clinton. Diese Anstrengung, die in den Medien vertreten wird, wurde in Bali nicht verheimlicht.

 

Asien ist jedoch unermesslich mannigfaltig, und Asiaten sind nicht immer einer Meinung. Während sich einige Asiaten im widerspiegelndem Ruhm dessen sonnen können, was viele aus der Sicht des Westens als den Aufstieg Chinas und Indiens als globale Mächte im gegenwärtigen Jahrhundert sehen, sind andere Asiaten vorsichtig, was die vielen Konflikte in dieser Region wie z.B. Afghanistan, Kashmir, Tibet oder Birma anbetrifft.

 

Der Islam in Asien könnte Konflikte entzünden, wenn durch Islamisten geförderter Terrorismus nicht beseitigt wird, egal ob es im Irak und den angrenzenden Ländern oder in den Inselnationen Indonesiens und der Philippinen ist.

 

Ein vorsichtiger Blick auf Asien würde suggerieren, dass der Kontinent sich in dem Zustand befindet, den Europa im beginnenden Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts durchmachte, bevor es in einen Krieg stürzte, von dem es sich nie völlig erholte. Und doch drängten die katastrophalen Kriege des 20. Jahrhunderts schließlich die verschiedenen Nationen Europas dazu, sich immer mehr als Europäer zu interpretieren.

 

Die große Frage für Asien ist, unabhängig davon, wer der amerikanische Präsident wird, ob ihre verschiedenen Nationen sich als Asiaten verstehen können, ohne in Kriege mit katastrophalen Folgen wie einst Europa zu stürzen.