Erzbischof für die Scharia

Rowan Williams missversteht den Islam

von Stephen Schwartz

Der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams, Kopf der anglikanischen Religionsgemeinschaft, dachte zweifellos, dass er einen positiven Beitrag für die zwischenreligiösen Beziehungen leisten könne. In seiner Rede vom 7. Februar schlug er vor, dass ein Teil der Scharia, dem Islamischen religiösem Gesetz, in Großbritannien "unvermeidlich" ist. Aber seine Bemerkungen waren für viele aus seiner Gemeinde erschütternd. Nur vier Tage später sagte Erzbischof Williams, er sei missverstanden worden, Er beschuldigte den "gegenwärtigen Stil der elektronischen globalen Kommunikation", der für den medialenn Krawall verantwortlich ist. Er weigerte sich zurückzunehmen, was er gesagt hatte.

Die Briten – von denen ungefähr 3 Prozent Moslems sind -  wurden durch mehr gestört als nur von Williams Arglosigkeit. Viele moslemische Einwanderer kamen in den Westen, um den Auswüchsen der Islamischen Ideologie aus Ländern wie Pakistan zu entkommen, wo der Extremismus weiter steigt. Die Auferlegung der Scharia könnte die Chance der Kinder dieser Einwanderer verhindern, erfolgreich in der britischen Gesellschaft oder anderswo im Westen zu werden.

Was der Erzbischof ignorierte, ist, dass britisch-moslemische Radikale stets die Sharia fordern. Sie hoffen, Moslems von ihren nichtmoslemischen Nachbarn zu trennen, und so leichter Gläubige für den Heiligen Krieg zu rekrutieren und zu indoktrinieren. George Carey, Rowan Williams Vorgänger als Erzbischof des Erzbischofs von Canterbury, warnte im Sonntagstelegrafen vom 10. Februar, dass die Scharia dafür sorgen könnte, dass moslemische Ghettos in Großbritannien weiterhin bestand haben.

Aber die Scharia ist nicht ein kurzes Thema. Paradoxerweise ist die Unkenntnis unter Nichtmoslems über die Scharia die der radikalen Agitatoren ähnlich. Die Radikalen, die hauptsächlich Werbung mit ihren Anforderungen und Drohungen suchen, sind ebenso ungeschult im Islamischen Recht. Mit ihren improvisierten Begriffen versuchen sie, religiöse Gerechtigkeit herbeizuführen. In Wirklichkeit ist Scharia ein kompliziertes System der Rechtskunde, verschieden angewandt und interpretiert von vier verschiedenen sunnitischen und zwei schiitischen Schulen.

Tatsächlich, unter dem britischen und amerikanischen Schutz für die freie Übung der Religion, werden einigen religiösen Menschen bereits für bestimmte Grundsätze und Methoden ihres Glaubens Zugeständnisse gemacht, so lange sie die gute Ordnung der Gesellschaft nicht stören (Sikh-Polizisten in Großbritannien können Turbane tragen.)

Ferner, besteht ein "Schatten der Scharia " bereits in Großbritannien: Informelle Gerichte, welche gewöhnlich Familienangelegenheiten behandeln oder angebliche Apostasie, die gewaltsame Ehe und Scheidung erzwingen. Aber Scharia-Fanatiker verlangen etwas mehr: Sie wollen die öffentliche Erzwingung der religiösen Verordnungen. Obligatorischer Scharia für Moslems ist die ultimative Bedrohung der britischen Gesellschaft, das der Aufruf des Erzbischofs Williams nach Anpassung impliziert.

Gegen die eigene Intuition, wie es scheint, ist der Aufruf der Islamisten nach der Einführung des islamischen religiösen Gesetzes im Westen eine Neuerung, die in Europa oder den Vereinigten Staaten vor der Radikalisierung von Moslems am Ende der 1970er Jahre noch nicht bekannt war. Das ist so, weil es aktuell  eine Verletzung der traditionellem Scharia ist, die befiehlt, dass Moslems, die in nichtmoslemischen Ländern leben, dem Gesetz folgen und die Gesetze der Gastländer respektieren sollen. Diese Voraussetzung, wird zum Beispiel, im Scharia Band A Code of Practice for Muslims in the West  (1999) dargelegt, in der der gemäßigte irakische Schiit Ayatollah Ali Sistani zitiert wird, dass Moslems, die in nichtmoslemischen Nationen leben, sich selbst verpflichten müssen, "um sich an die Gesetze dieses Landes zu halten," was sie versprechen zu tun, wenn sie ein Einwanderungsformular unterzeichnen. Wenn sie das nicht tun können, sollten sie zum moslemischen Territorium zurückkehren.

Traditioneller Scharia verbietet auch, gegen die örtliche Mehrheit in nichtmoslemischen Gesellschaften anzukämpfen. In der Islamischen Geschichte bezieht sich der Heilige Krieg gegen die Nichtmoslems auf den Krieg zwischen Staaten und Armeen und nicht der Infiltration und des Komplotts der muslimischen Einwanderer in nichtmuslimischen Ländern. Für normale Moslems ist es eine Pflicht, die Familie und Gemeinschaft zu schützen und ein gutes bürgerliches Beispiel den Nichtmoslems abzugeben

Viele große islamische Regierungsformen - einschließlich des Osmanischen Reichs, des mächtigsten moslemischen Staates in der Geschichte - weigerten sich, der Scharia Vorrang über das Gewohnheitsrecht zu gewähren. Die Türken erhielten einen gesetzlichen Standard, für die Verwaltung der Regierung, Besteuerung, und verschiedenen Angelegenheiten und die Scharia wurde für die Familien und religiösen Angelegenheiten angewandt. Die exklusive Autorität auf die Scharia ist ein arabisches und pakistanisches Vorgehen und zum Teil in Nigeria, im nördlichen Malaysia..

Das Familienrecht ist der am meisten umstrittene Aspekt der Scharia, weil radikale moslemische Konzepte der Bescheidenheit und traditionelle Regulierung der Ehe und Scheidung, westliche Vorschriften in Bezug auf die Frauengleichheit verletzen. Viele moslemische Kleriker in Westeuropa billigen diese Vorschriften und bieten verlogene gesetzliche Interpretationen an, um solche Straftaten wie das Schlagen der Frau, Polygamie, weibliche genitale Körperverletzung, Ehrenmorde, gezwungene Ehen, gezwungene Ehescheidungen und die saudische Praxis der "Zeitehen“ zu ahnden (Gegen Ende letzten Jahres behauptete der Saudi daily al-Watan, dass Saudis 25 Millionen $ im Laufe der letzten drei Jahre mit dieser Masche ausgegeben haben, in der saudische Männer in den Ferien irreführend örtliche Frauen für einen Sommer heirateten und dann sich scheiden ließen bevor sie ins saudische Königreich zurückkehrten. Etwas von diesem Verhalten wird aus örtlichen Kulturen abgeleitet, aber es ist durch die islamistische Ideologie assimiliert worden.)

Dies würde bedeuten, dass die Scharia über der eigentlich weltlichen Rechtssprechung stehen würde, unkundige Radikale ihre Glaubensbrüder beherrschen und ihnen ihre eigentlich britischen Rechte entziehen könnten. Zudem gäbe es die frage, wer Scharia-Richter sein dürfe, wie diese ausgebildet werden sollen und wer die Kosten tragen solle.

Erzbischof Williams merkte nicht, dass die Forderung nach der Scharia im Westen wenig mit der gestiegenen Rücksicht für den Islam zu tun habe, sondern alles hat mit der ständigen Radikalisierung der Moslems zu tun. Seine leichtfertige Bemerkung verschärft die wachsende Spannung zwischen Moslems und Nichtmoslems in Großbritannien anstatt dies zu vermindern und gibt den Radikalen Rückenwind.